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Facebook und Instagram wollen Likes abschaffen: Vor- und Nachteile

Das Vergeben und Erhalten von Likes ist fester Bestandteil der sozialen Netzwerke. In Herzen, Daumen und anderen ‚Reactions‘ wird der Erfolg von Beiträgen gemessen. Doch Instagram und Facebook verzichten bald vielleicht auf diesen essenziellen Bestandteil. Wie geht es dann weiter? Möglicherweise steht die Social-Media-Nutzung vor einer historischen Wende.

Im April 2019 wurde bekannt, dass Instagram darüber nachdenkt, die Anzeige von Likes abzuschaffen. Screenshots der Tests zeigen: User könnten bei ihren eigenen Posts weiterhin die Likes einsehen, für andere seien diese jedoch unsichtbar. Follower sollen sich auf Inhalte konzentrieren, nicht auf die Like-Anzahl, so das Statement von Instagram. Jetzt, rund vier Monate später, scheint Instagrams Mutterkonzern Facebook nachzuziehen.

Die Technikbloggerin Jane Manchun Wong entdeckte durch Untersuchungen der Android-App, dass Facebook ebenfalls mit einer neuen Version ohne Like-Anzeige experimentiert. Wongs Screenshots enthüllen interessante Details: Sieht ein User den Post eines Freundes, steht darunter, dass ein gemeinsamer Freund bereits auf den Post reagiert hat, „und andere“. Zahlen werden nicht angezeigt. Allerdings scheint eine Liste aller Personen, die auf den Post reagiert haben, weiterhin abrufbar zu sein.

 

In welchem Stadium sich die Entwicklungen befinden, ist unklar. Entscheidungen sind bislang nicht gefallen, weder bei Instagram noch bei Facebook.

Keine Likes, kein Druck, keine Gewissheit

Studien belegen, dass soziale Netzwerke der geistigen Gesundheit schaden können. Gerade das Vergleichen mit anderen Usern in Bezug auf Like-Zahlen ist problematisch und kann bis zur Depression führen. Durch das Gefallen-wollen, das sich bei der Social-Media-Nutzung schnell einstellt, geraten Inhalte zunehmend trivial und gleichförmig, um eine möglichst breite Zielgruppe abzuholen. Ein Verschwinden der öffentlichen Like-Anzeige nimmt Druck vom User und führt eventuell zu authentischeren Posts. Es bleibt die Frage, ob die Social-Media-Welt dadurch eine riesige Entspannungswelle erfährt, oder aber verunsichert wird, weil Anhaltspunkte fehlen.

Facebook erschien im Jahr 2004, führte jedoch erst 2009 den berühmten Like-Button ein, den die Konkurrenz adaptierte und von dem heute so viel abhängt. Ein Verzicht auf Like-Statistiken zugunsten der Inhalte wäre also Fortschritt und Rückschritt zugleich. Like-Zahlen haben ihre Daseinsberechtigung, so kann zum Beispiel das Verhältnis zwischen Beitrag-Likes und Abonnenten eines Instagram-Accounts Aufschluss darüber geben, ob es sich eventuell um einen Mogel-Account mit gekauften Abonnenten handelt.

Ist das Vergleichen von Like-Zahlen zu wichtig geworden, um darauf zu verzichten? Oder sollte das Like-Konzept noch konsequenter verschwinden, damit eigene Posts nicht mehr unter Performance-Druck stehen? Wie sich Facebook und Instagram auch entwickeln mögen, die aktuellen Tests bieten die Gelegenheit, darüber nachzudenken, weshalb und für wen wir eigentlich posten, was wir posten.

Autor: Philipp Stroh